Umsatzsteuer in Shopify für Deutschland: Einrichtung, Sätze und korrekte Rechnungen
Zuletzt aktualisiert am 3. September 2026
Der Verkauf nach Deutschland über Shopify umfasst zwei Aufgaben, die leicht verwechselt werden. Die erste ist, die richtige Umsatzsteuer zu berechnen, und das kann Shopify weitgehend, sobald es eingerichtet ist. Die zweite ist, eine Rechnung auszustellen, die das deutsche Recht akzeptiert, und die nimmt Shopify dir nicht ab. Dieser Ratgeber behandelt beides, in der Reihenfolge, in der es dir tatsächlich begegnet.
Deutsche Umsatzsteuersätze
Deutschland hat einen Regelsteuersatz und einen ermäßigten Satz. Welcher gilt, entscheidet sich daran, was du verkaufst, nicht daran, wer kauft:
| Satz | Gilt für |
|---|---|
| 19 %, Regelsteuersatz | Die meisten Waren und Dienstleistungen: Bekleidung, Elektronik, Kosmetik, Haushaltswaren, Software, digitale Produkte. |
| 7 %, ermäßigter Steuersatz | Eine festgelegte Liste in Anlage 2 zum UStG: die meisten Lebensmittel, Bücher, E-Books, Zeitungen und Zeitschriften, Schnittblumen und Pflanzen, Hilfsmittel, der öffentliche Nahverkehr. Speisen in der Gastronomie sind seit Januar 2026 bei 7 %, Getränke bleiben bei 19 %. |
| 0 % / steuerfrei | Innergemeinschaftliche Lieferungen an umsatzsteuerlich registrierte Unternehmen in anderen Mitgliedstaaten, Ausfuhren außerhalb der EU, und bestimmte Befreiungen nach §4 UStG, etwa im Gesundheits-, Finanz- und Bildungsbereich. |
Wann du dich registrieren musst
Die Registrierung hängt davon ab, wo dein Unternehmen ansässig ist und wo deine Ware liegt, nicht davon, wo deine Kunden sind.
- In Deutschland ansässig. Du meldest dich bei deinem Finanzamt an, wenn du anfängst zu handeln, und bekommst eine Steuernummer; die USt-IdNr. beantragst du getrennt, und für den grenzüberschreitenden EU-Handel brauchst du eine. Die Kleinunternehmerregelung (§19 UStG) erlaubt sehr kleinen Unternehmen, keine Umsatzsteuer zu berechnen; die aktuellen Schwellen sind 25.000 Euro Umsatz im Vorjahr und 100.000 Euro im laufenden Jahr. Wer sie nutzt, berechnet keine Umsatzsteuer, zieht keine ab und muss die Befreiung auf den Rechnungen angeben.
- Außerhalb Deutschlands ansässig, aber Ware in Deutschland gelagert. Hier gibt es praktisch keine Schwelle. Lagerbestand in einem deutschen Lager, einem Fulfillment-Center, bei einem Logistikdienstleister oder bei Amazon FBA begründet eine steuerliche Präsenz, und du registrierst dich, bevor der erste Verkauf von dort rausgeht.
- Versand an deutsche Privatkunden aus einem anderen EU-Land. Die EU-weite Fernverkaufsschwelle liegt bei 10.000 Euro über alle Mitgliedstaaten zusammen. Darunter darfst du weiter die Umsatzsteuer deines Heimatlands berechnen; darüber berechnest du deutsche Umsatzsteuer auf deutsche B2C-Verkäufe und meldest sie in der Regel über den One-Stop-Shop (OSS), statt dich in Deutschland zu registrieren.
- Versand von außerhalb der EU. Sendungen bis 150 Euro können über IOSS laufen, mit Einfuhrumsatzsteuer an der Kasse; darüber werden Steuer und Zoll bei der Einfuhr abgewickelt.
Die Shopify-Steuereinstellungen, auf die es ankommt
Unter Einstellungen → Steuern und Zölle → Europäische Union will Shopify deine umsatzsteuerlichen Registrierungen und wendet danach die Sätze an. Vier Einstellungen richten den meisten Schaden an, wenn sie falsch stehen:
- Deine Registrierungen. Trag deine deutsche Registrierung ein, oder deine OSS-Registrierung, wenn du über den One-Stop-Shop meldest. Das ist es, was Shopify sagt, auf einer deutschen Bestellung 19 % zu berechnen statt deines Heimatsatzes.
- Bruttopreise. Preise im deutschen Schaufenster werden für Verbraucher brutto ausgewiesen, „Alle Preise inklusive Steuer“ ist also normalerweise an. Denk daran, was das bedeutet: dein ausgewiesener Preis ist der Bruttobetrag, und Netto und Steuer werden daraus hergeleitet. Genau in dieser Herleitung entstehen später die Rundungsdifferenzen auf der Rechnung.
- Steuerausnahmen je Produkt. Shopify setzt alles standardmäßig auf den Regelsteuersatz. Bücher, Lebensmittel und der Rest der 7-Prozent-Liste brauchen eine Ausnahme, angewendet auf eine Kategorie.
- B2B und Steuerbefreiung. Für Geschäftskunden unterstützt Shopify Firmenprofile und Steuerbefreiungen, aber eine nullbesteuerte innergemeinschaftliche Lieferung ist nur haltbar, wenn du die gültige USt-IdNr. des Käufers hast. Erfasse sie, prüfe sie gegen VIES und speichere sie, sie muss auf der Rechnung stehen.
So eingerichtet berechnet Shopify meist den richtigen Betrag. Was es nicht tut, ist, aus dieser Bestellung eine rechtsgültige Rechnung zu machen.
Was eine deutsche Rechnung enthalten muss (§14 UStG)
Die deutschen Rechnungsanforderungen sind konkret, und sie sind der Grund, warum eine Bestellbestätigung keine Rechnung ist. §14 Abs. 4 UStG verlangt all das:
- Vollständiger Name und Anschrift von Leistendem und Leistungsempfänger.
- Die Steuernummer oder USt-IdNr. des Leistenden.
- Das Ausstellungsdatum.
- Eine fortlaufende, einmalig vergebene Rechnungsnummer.
- Menge und handelsübliche Bezeichnung der Ware, oder Art und Umfang der Leistung.
- Der Zeitpunkt der Lieferung oder Leistung, der oft nicht das Rechnungsdatum ist.
- Das nach Steuersätzen aufgeschlüsselte Entgelt, dazu jede vereinbarte Minderung, die noch nicht abgezogen ist.
- Der angewandte Steuersatz und der Steuerbetrag, oder, wenn keine Steuer anfällt, ein Hinweis auf den Grund.
In der Praxis kommt einiges dazu. Grenzüberschreitendes B2B braucht die USt-IdNr. des Kunden und den richtigen rechtlichen Hinweis: „Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers“ beim Reverse Charge, oder „innergemeinschaftliche Lieferung“ bei einer nullbesteuerten innergemeinschaftlichen Lieferung. Rechnungen bis 250 Euro dürfen die vereinfachte Form der Kleinbetragsrechnung nutzen (§33 UStDV), bei der die Angaben zum Empfänger und der gesonderte Steuerbetrag entfallen. Und Rechnungen sind acht Jahre aufzubewahren, mit Wirkung ab 2025 von zehn auf acht verkürzt, in einer Form, die sie unverändert erhält.
Die Überschneidung, die du nicht ignorieren kannst: E-Rechnung 2025 bis 2028
Deutschland hat neu festgelegt, was eine Rechnung im inländischen B2B ist. Seit dem 1. Januar 2025 bedeutet „E-Rechnung“ im deutschen Recht ein strukturiertes elektronisches Format nach dem europäischen Standard EN 16931, in der Praxis also XRechnung (reines XML) oder ZUGFeRD (ein PDF mit eingebettetem XML). Ein gewöhnliches PDF ist ausdrücklich keine E-Rechnung, sondern eine „sonstige Rechnung“.
| Datum | Was für inländisches B2B gilt |
|---|---|
| 1. Jan. 2025 | Der Empfang von E-Rechnungen wurde für jedes in Deutschland ansässige Unternehmen Pflicht. Ein überwachtes E-Mail-Postfach genügt dafür, aber du musst die Datei annehmen können. |
| 1. Jan. 2027 | Der Versand wird Pflicht für Unternehmen, deren Vorjahresumsatz 800.000 Euro überstieg. |
| 1. Jan. 2028 | Der Versand wird Pflicht für alle übrigen Unternehmen, unabhängig vom Umsatz. |
Zwei Einzelheiten erwischen Händler. Erstens betrifft das inländisches B2B, also Umsätze zwischen Unternehmen, die beide in Deutschland ansässig sind. B2C-Bestellungen bleiben außen vor. Zweitens ist die Zustimmung des Käufers für eine konforme E-Rechnung nicht mehr nötig: dein Geschäftskunde muss sie annehmen, ob ihm das Format gefällt oder nicht, weshalb er zunehmend dich danach fragen wird, bevor 2027 kommt.
Das größere EU-Bild und wo Peppol als Zustellweg hineinpasst, steht im Ratgeber zur deutschen Pflicht ab 2027 und im EU-B2B-Überblick.
Die Zahlen auf den Cent genau richtig bekommen
Das ist der Teil, der darüber entscheidet, ob eine strukturierte Rechnung angenommen und nicht bloß versendet wird. EN 16931-Rechnungen werden rechnerisch geprüft, und eine deutsche B2B-Rechnung aus einer Shopify-Bestellung hat vier wiederkehrende Fehlerquellen:
- Herleitung von Brutto zu Netto. Ein Bruttopreis von 119,00 Euro sind 100,00 Euro netto plus 19,00 Euro Steuer. Bei krummen Preisen und mehreren Mengen muss der Nettobetrag konsistent hergeleitet und gerundet werden, sonst gehen die Summen nicht mehr auf.
- Rundung auf Positions- oder Dokumentebene. Jede Position zu runden und die Dokumentsumme zu runden kann sich um einen Cent unterscheiden. EN 16931 prüft, dass Netto plus Steuer exakt dem Brutto entspricht; ein Cent ist eine Ablehnung.
- Gemischte Sätze. Ein Warenkorb mit 19 % und 7 % braucht eine eigene Zwischensumme je Satz; eine einzelne Mischzahl ist keine gültige Aufschlüsselung.
- Falsch angewendetes Reverse Charge. Einen grenzüberschreitenden B2B-Umsatz ohne VIES-gültige USt-IdNr. des Kunden oder ohne den vorgeschriebenen Hinweis nullzubesteuern, setzt die Nullbesteuerung selbst aufs Spiel.
Wie diese Regeln im Einzelnen funktionieren, steht in EN 16931 erklärt.
Eine Checkliste für den deutschen Markt
- Bist du registriert, wo du es sein musst, also deutsche Registrierung, OSS oder beides?
- Sind deine 7-Prozent-Produkte in Shopify per Kategorie als Ausnahme gesetzt?
- Stehen die Bruttopreise so, wie die Preise in deinem Schaufenster ausgewiesen sind?
- Erfasst und prüfst du gegen VIES die USt-IdNr. von Geschäftskunden an der Kasse?
- Stellt irgendetwas eine echte §14-konforme Rechnung mit fortlaufender Nummer, Leistungsdatum und Aufschlüsselung je Satz aus?
- Kannst du XRechnung und ZUGFeRD heute empfangen, wie seit 2025 verlangt?
- Wirst du sie vor deinem Termin 2027 oder 2028 versenden können?
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- Die deutsche Pflicht ab 2027, Termine, XRechnung und ZUGFeRD, und was Shopify-Händler tun müssen.
- EN 16931 erklärt, der Standard hinter XRechnung, ZUGFeRD und UBL, und die Regeln, die Rechnungen ablehnen.
- B2B-E-Rechnungen in der EU mit Shopify, der Überblick Land für Land.
Häufige Fragen
Wie hoch ist die Umsatzsteuer in Deutschland?
19 % als Regelsteuersatz, 7 % ermäßigt. Der ermäßigte Satz gilt für eine festgelegte Liste, also die meisten Lebensmittel, Bücher, Zeitungen, Pflanzen und den Nahverkehr, und seit Januar 2026 auch für Speisen in der Gastronomie, während Getränke bei 19 % bleiben. Der Satz folgt dem Produkt, nicht dem Kunden.
Wann muss ich mich umsatzsteuerlich in Deutschland registrieren?
Wenn du in Deutschland ansässig bist, mit Aufnahme der Tätigkeit, es sei denn, du fällst unter die Kleinunternehmerregelung (25.000 Euro Vorjahr, 100.000 Euro laufendes Jahr). Bist du anderswo ansässig, lagerst aber Ware in Deutschland, gibt es keine Schwelle: registriere dich, bevor du von dort versendest. Für Fernverkäufe an deutsche Privatkunden aus einem anderen EU-Land gilt die EU-weite Schwelle von 10.000 Euro, darüber berechnest du deutsche Umsatzsteuer, meist über OSS.
Erstellt Shopify eine rechtskonforme deutsche Rechnung?
Nein. Shopify berechnet die Umsatzsteuer und versendet eine Bestellbestätigung, stellt aber von sich aus keine Rechnung nach §14 UStG aus und kann weder XRechnung noch ZUGFeRD erzeugen. Für die Rechnung selbst brauchst du eine App, deine Buchhaltung oder ein Konformitätswerkzeug.
Was muss auf einer deutschen Rechnung stehen?
Vollständiger Name und Anschrift beider Seiten, deine Steuernummer oder USt-IdNr., das Ausstellungsdatum, eine fortlaufende Rechnungsnummer, Menge und Bezeichnung des Gelieferten, der Zeitpunkt der Lieferung oder Leistung, das Entgelt je Steuersatz, Satz und Steuerbetrag, jede vereinbarte Minderung und, wenn keine Steuer berechnet wird, der Grund. Rechnungen bis 250 Euro dürfen die vereinfachte Kleinbetragsrechnung nutzen.
Berechne ich einem EU-Geschäftskunden deutsche Umsatzsteuer?
In der Regel nicht. Waren an ein umsatzsteuerlich registriertes Unternehmen in einem anderen Mitgliedstaat sind normalerweise eine nullbesteuerte innergemeinschaftliche Lieferung, und die meisten grenzüberschreitenden B2B-Dienstleistungen fallen unter Reverse Charge. Beides braucht die USt-IdNr. des Kunden, gegen VIES geprüft, samt dem entsprechenden Hinweis auf der Rechnung.
Ist die E-Rechnung im deutschen B2B Pflicht?
Der Empfang ist seit dem 1. Januar 2025 für jedes in Deutschland ansässige Unternehmen Pflicht. Der Versand wird am 1. Januar 2027 Pflicht, wenn dein Vorjahresumsatz 800.000 Euro überstieg, und am 1. Januar 2028 für alle anderen. Ein PDF zählt nicht, gemeint ist eine strukturierte EN 16931-Datei.
Dieser Ratgeber ist allgemeine Information für Shopify-Händler, keine Rechts- oder Steuerberatung. Deutsche Steuersätze, Schwellenwerte und Rechnungsvorschriften ändern sich, und es gibt Sonderfälle. Kläre deine eigenen Pflichten mit einer Steuerberatung.
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